Geschichte des Schleswiger Doms - Zusammenfassung

Der Bau des Domes St. Petri am heutigen Ort wurde um das Jahr 1100 begonnen. Ob dieser romanische Bau fertig gestellt war, bevor mit dem Umbau zur gotischen Hallenkirche begonnen wurde, ist unsicher. Gleichwohl sind im heutigen gotischen Bau zahlreiche Zeugnisse der ursprünglichen Granit/Tuff-Basilika erhalten geblieben. 1134 wurde der Schleswiger St.-Petri-Dom zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
Wer den Schleswiger Dom betritt, wird in eine lange Glaubens- und Kirchengeschichte hineingenommen. Die gesamte Architektur, die nachweisbaren baulichen Veränderungen und die einzelnen Kunstwerke spiegeln wider, wie eng der Dombau mit der jeweiligen geschichtlichen Entwicklung verflochten war.

Um 1220/1230 wurde die sog. Kanonikersakristei am nördlichen Querhaus errichtet. Der Raum diente dem Domkapitel zunächst als Versammlungsraum und Sakristei, nach 1567 dem Gymnasium der Domschule als Hörsaal. Um 1240/1250 erhielt das romanische Querhaus seine Einwölbung mit den charakteristischen Spitzkuppeln.

Der Einwölbung des Querhauses folgte die des Langhauses, nachdem die Mittelschiffpfeiler auf ca. 17 m erhöht worden waren. Gegen 1270 war der Umbau der romanischen Basilika zur gotischen Hallenkirche fertig gestellt. Am Ende des 13. Jh.s folgte die Erweiterung des Hohen Chores und dessen Ausmalung mit biblischen Motiven. Um 1300 hatte der Dom im Wesentlichen seine heutige Innenraumgestalt erhalten.

Dem voranschreitenden Innenausbau des Doms folgte im 14. Jh. und 15. Jh. die Errichtung großer Anbauten: der dreiflügelige Prozessionsgang des Domkapitels an der Nordseite, der in Schleswig seit alters Schwahl genannt wird (Schwahl = niederdeutschdänisch: kühler Gang).
Als weiterer Anbau entstand zum Ende des 15. Jh.s die zweigeschossige Sakristei an der Nordostecke des Doms, die später als sog. Fürstengruft und Grablege der Herzöge von Gottorf Bedeutung erlangte. Ursprünglich als Sakristei des Domkapitels (Obergeschoss) und Schatzkammer (Untergeschoss) errichtet, kam der Bau in reformatorischer Zeit in den Besitz der Herzöge von Gottorf, die sich als Rechtsnachfolger des alten Domkapitels fühlten und das Gebäude als gottorfische Grablege einrichteten.

Wesentliche Teile der mittelalterlichen Ausstattung sind dem Dom erhalten geblieben:
Zu den frühesten Beispielen ihrer Art nördlich der Alpen zählt die Dreikönigsgruppe mit ihren lebensgroßen vollplastischen Figuren aus dem letzten Viertel des 13. Jh.s.
Zwischen 1420 und 1450 entstand die Kreuztragungsgruppe.
Ein anonymer Meister schuf zu Anfang des 16. Jh.s das Chrogestühl im Hohen Chor und die Triumphkreuz-Gruppe auf dem Lettner. Zur erhaltenen mittelalterlichen Ausstattung des Doms zählt auch die Bronzetaufe des Gießers Ghert Klinghe von 1480.

Als wichtigstes Ereignis der nachreformatorischen Ausstattungsgeschichte des Doms darf die Überführung des Brüggemann-Altars aus Bordesholm gelten. Herzog Christian Albrecht veranlasste 1666 die Übersiedlung des Kunstwerkes aus dem Augustiner-Chorherren-Stift, nachdem das Stift aufgehoben worden war und leer stand. Herzog Friedrich (1490-1523) und seine erste Gemahlin Anna v. Brandenburg hatten die Stiftskirche Bordesholm als Grablege erwählt und mit großem Aufwand ausstatten lassen. Den Höhepunkt des Ausstattungspro-gramms bildete der Altar, den der Meister Hans Brüggemann 1514-21 schuf. Noch vor Fertigstellung des Altarwerks starb Herzogin Anna und wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Kurz nach der Fertigstellung, 1523, erlangte Friedrich die dänische Königswürde und regierte als Friedrich I bis 1533 auf Schloss Gottorf.
Nach seinem Tod fand er deshalb seine letzte Ruhe nicht in der herzoglichen Grablege zu Bordesholm, sondern im Dom St. Petri in Schleswig. Deshalb ließ Herzog Christian Albrecht das Altarwerk nach Auflösung des Klosters Bordesholm in die Nähe des Stiftergrabes überführen. Mit seinem Altarwerk schuf Meister Hans Brüggemann nicht nur eines der umfangreichsten Retabel in Nordeuropa - das Altarblatt enthält fast 400 aus Eichenholz geschnitzte Figuren und misst mehr als 12 m in der Höhe und 7 m in der Breite, sondern auch ein Werk, das in seiner geistlichen Aussagekraft und in seiner künstlerischen Vollendung ohne Parallele ist. Von der Hand Brüggemanns stammt auch die mehr als 4 m hohe Plastik des Hl. Christophorus nahe dem Petri-Portal.

Im 17. und im frühen 18. Jh. erhielt der Dom, vor allem durch den gottorfischen Beamten-Adel, seine reiche Ausstattung mit Epitaphien und Gemälden, von denen zwei Arbeiten des Barockmalers Jürgen Ovens besondere Beachtung verdienen: die sog. Blaue Madonna, und den vom Kanzler Kielmannseck gestifteten Kielmannseck-Altar.

Die letzte große Ausstattungsperiode erfuhr der Dom St. Petri zwischen 1888 und 1894: Aus Verfügungsmitteln des preußischen Königs wurde der 112 m hohe Westturm nach Plänen von Friedrich Adler aus Berlin errichtet. Der preußische König war auch Initiator des reichen, 33 Fenster umfassenden Farbfensterprogramms, das das Dominnere in ein völlig neues Licht tauchte.

1963 erhielt der Dom seine große Marcussen-Orgel mit 51 klingenden Stimmen und 3 Manualen. Der Hauptwerkprospekt der Orgel stammt bereits aus den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts. Die zunehmende Verschlechterung des Zustands führten zu einer umfassenden Restaurierung und Erweiterung durch die Berliner Orgelbauwerkstatt Schuke, die 2010 abgeschlossen wurde. Das Instrument weist heute eine Disposition mit 65 Registern auf vier Manualen und Pedal auf.

Durch den Westturm, den Dachreiter und die Treppentürme erhielt der Dom seine prägnante Silhouette, die auch noch zwischen Hochbauten unseres Jahrhunderts Schleswigs Bild prägt und an die fast 900 Jahre des Doms St. Petri erinnert.