Brüggemann-Altar

 

Als wichtigstes Ereignis der nachreformatorischen Geschichte des Doms gilt die Überführung desaus Bordesholm in den Schleswiger Dom. Herzog Christian Albrecht veranlasste 1666 die Übersiedlung des Kunstwerkes aus dem Bordesholmer Augustiner-Chorherren-Stift, nachdem das Stift aufgehoben worden war und leer stand.

Herzog Friedrich (1490-1523) und seine erste Gemahlin Anna v. Brandenburg hatten die Stiftskirche Bordesholm als Grablege erwählt und mit großem Aufwand ausstatten lassen. Den Höhepunkt bildete der Altar, den der Meister Hans Brüggemann zwischen 1514 und 1521 schuf.
Noch vor Fertigstellung des Altarwerks starb Herzogin Anna und wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Kurz nach der Fertigstellung, 1523, erlangte Friedrich die dänische Königswürde und regierte als Friedrich I bis zu seinem Tod 1533 auf Schloss Gottorf in Schleswig.
Nach seinem Tod fand er deshalb seine letzte Ruhe nicht in der herzoglichen Grablege zu Bordesholm, sondern im St. Petri Dom zu Schleswig. Aus diesem Grund ließ Herzog Christian Albrecht das Altarwerk nach Auflösung des Klosters Bordesholm in die Nähe des Stiftergrabes überführen.

Mit seinem Altarwerk schuf Meister Hans Brüggemann nicht nur eines der umfangreichsten Retabel in Nordeuropa - das Altarblatt enthält fast 400 aus Eichenholz geschnitzte Figuren und misst mehr als 12,60 m in der Höhe und
7 m in der Breite, sondern auch ein Werk, das in seiner geistlichen Aussagekraft und in seiner künstlerischen Vollendung ohne Parallele ist.

Brüggemanns Altar ist ein Passions-Altar, der die Leidens- und Sterbe-geschichte Jesu eindrücklich und facettenreich darstellt. Doch Brüggemann belässt es nicht bei Jesu Tod und Grablegung, er fügt in gekonnter Form die Auferstehung Christi und die Begegnung des Auferstandenen mit Thomas und den anderen Jüngern an. Über dem Hauptbild geht dann die Wirkungsgeschichte mit der Himmelfahrtsdarstellung und dem Pfingstereignis, der Ausgießung des Heiligen Geistes, weiter.
Ganz oben thront der erhöhte Christus als Weltenrichter, darunter ist Maria mit dem Jesuskind zu erkennen.
In der Predella sieht man alttestamentliche Essensszenen (Abraham und Melchisedek sowie das Passahmahl mit Mose), die unmittelbar auf das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern und das neutestamentliche Liebesmahl der ersten Christen hinweisen.