Christophorus

 

Schnitzarbeit aus Eichenholz (ca. 1510-1515)

Von Hans Brüggemann (ca. 1470- ca. 1530)

Am Eingang des Südchores befindet sich die imposante Gestalt des heiligen Christophorus mit dem Jesuskind auf den Schultern. Die 4,40 Meter hohe Holzskulptur ist ebenfalls ein Werk von Hans Brüggemann, der dieses ausdrucksvolle Werk von 1510 bis 1515 erschaffen hat. Mit dem Altarbau begann er übrigens 1514, arbeitet also an zwei Kunstwerken gleichzeitig.

Glaubt man der Legende, hieß der Hüne Reprobus und war nicht nur groß, sondern auch mächtig stark. Dadurch hatte er freie Wahl bei der Suche nach einem geeigneten Herrn, den er dienen wollte. Und er wollte nur dem Mächtigsten dienen. Also trat er seine Stellung bei einem grausamen und gefürchteten König an und bobachtete wie dieser sich immerfort bekreuzigte. Auf die Frage, warum er dies täte, antwortete der König: "Das schützt mich vor dem Teufel." Also dachte sich Reprobus, dass der Teufel wohl noch mächtiger sei und trat in die Dienste des Satans. Der wiederum machte stets einen großen und ängstlichen Bogen um Kreuze, die an Wegen oder Kirchen waren. Damit war für Reprobus klar, dass es also noch einen viel Mächtigeren gab. Auf seiner Suche nach diesem Mächtigsten, traf er schließlich auf einen Einsiedler, der ihm offenbarte, dass nur Gottes Macht unbegrenzt sei. Er solle an den Fluss gehen und als "Fährmann" die Reisende an das gegenüberliegende Ufer tragen. Eines Nachts rief jemand seinen Namen und er erkannte ein Kind, dass er über den Fluss tragen sollte. Anfangs war das Kind noch leicht, doch je tiefer der Fluss wurde, desto schwerer schien auch das Kind zu werden. In er Mitte des Stromes sagt er entkräftet unter der gewaltigen Last: "Es ist als trüge ich die ganze Last der Welt auf meinen Schultern." Und das Kind antwortete: "So ist es, du trägst nicht nur die ganze Last der Welt, sondern den, der die Welt geschaffen hat und erhält".

Mit letzter Kraft erreicht Reprobus das andere Ufer und erkennt in dem Kind Gottes Sohn. "Du hast den Christus, den Heiland der Welt getragen und sollst fortan Christophorus, der Christus-Träger, heißen."

Der heilige Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden, deshalb hat er seinen Platz auch am Eingang des Südchores beim Petri-Portal erhalten.