Der Schwahl

 

Das Bauwerk wurde zu Anfang des 14. Jahrhunderts errichtet und darf als eines der bedeutendsten seiner Art im ganzen Ostseeraum gelten. Es diente dem Domkapitel als Prozessionsgang und als Raum für geistliche Veranstaltungen, wie z.B. Totenmessen Auch bürgerliche Rechtsgeschäfte scheinen hier erledigt worden zu sein.

Der Ostflügel des "Schwahls" trug ein Obergeschoss, das zuerst die Zellen des "clerus minor" und nach 1567 die Schüler des "Paedagogiums" beherbergte. Nach einem Brand wurde es im Jahre 1743 abgebrochen.

Die Ausmalung des "Schwahl", wahrscheinlich durch eine Lübecker Werkstatt, erfolgte unter der Regierung des Bischofs Johannes II. Bokholt (1308-1331), dessen Bruder Heinrich Bokholt zu jener Zeit den Bischofsstuhl in Lübeck inne hatte. Die Wandbilder beschreiben das Leben Jesu in einer Folge einfarbiger Rötelzeichnungen, beginnend mit den Heiligen Drei Königen im Westflügel. Im Nordflügel zeigen die Bilder die Passionsgeschichte und enden mit dem Marientod im Ostflügel.

In bewusstem Kontrast sind die Gewölbe des Prozessionsganges mit leuchtend-farbigen Drôlerien geschmückt, phantastisch-grotesken Szenen aus Drachenmenschen, Musikanten, Jagdgesellschaften, Kopffüßlern usw., die das "weltliche Treiben" im Stile der Zeit schildern.

Mehrfach war der "Schwahl" der Schauplatz spektakulärer Ereignisse: Von hier nahm die Reformation in Schleswig ihren Ausgang, als bald nach 1520 der als "toller Friedrich" bekannt gewordene Mönch unter dem Schutz der Bürger und gegen den Widerstand des Domkapitels die ersten reformatorischen Predigten hielt.

Nachdem im Jahre 1542 Bugenhagens Kirchenordnung angenommen worden war, entstand im "Schwahl" durch Fürstbischof Adolf und vor allem auf Betreiben seines Generalsuperintendenten Paul von Eitzen im Jahre 1563 das paedagogium publicum, eine Gelehrtenschule.

Nach deren Ende um 1583 wurde im "Schwahl" bis zum Jahre 1887 der Dommarkt abgehalten, der in seinen Ursprüngen wohl bis in frühmittelalterliche Zeit zurückreicht und einst am 3. Februar, dem Todestag Ansgars, eingeläutet wurde. Der "weihnachtliche Schwahlmarkt" setzt die Jahrhunderte alte Markttradition an diesem Ort fort.

Seine Einnahmen dienen der Rettung und Erhaltung bedrohter Kunstwerke im Dom.

 

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